Die 5 grössten Irrtümer zu nickelfrei und wie Du künftig bewusster damit umgehen kannst

von | 12.03.2019

Letzte Aktualisierung: 25.07.2020

Ich stelle in meiner Manufaktur ja selbst entworfenen Glasschmuck her und bekomme immer wieder die Frage gestellt, ob denn mein Schmuck nickelfrei sei. Während ich diese Frage für meinen Haupt-Werkstoff Glas sofort mit “Ja” beantworten kann, habe ich für eine Antwort bei metallischen Ketten, Seilen und Anhängern länger gebraucht. Denn ich musste erstmal verstehen, was nickelfrei überhaupt bedeutet.

eine glasperle entsteht am brenner gefertigt von der colorano glas-schmuck-manufaktur

Die Autorin bei der Arbeit 😉

Also habe ich mich mit dem Thema Nickel näher befasst und war erstaunt, auf wie viel unklare und irrtümliche Aussagen ich gestossen bin! Das hat mich erst recht motiviert, bei vertrauenswürdigen Quellen wie Wikipedia und den entsprechenden EU-Vorschriften selbst nachzuforschen.

Was ich dabei herausgefunden habe, hat mich selbst so überrascht, daß ich meine Erkenntnisse im nachfolgenden Beitrag zusammengestellt habe.

Zwischen den Textpassagen stelle ich dir (zum Durchatmen) eine Auswahl meiner Werkstücke vor: Es fängt mit einfachen aber bezaubernden Glasperlen an. Weiter geht es mit farbenfrohen Schmuckscheiben bis hin zu mundgeblasenen Glasskulpturen.

Warum ist Nickel überhaupt in vielen Schmuckstücken enthalten?

Laß mich als erstes klären, was Nickel überhaupt ist: Nickel ist ein Schwermetall wie Eisen, Kupfer, Blei, Zink und Chrom. Es steckt deswegen in soviel Metall-Legierungen (das sind quasi Metall-Mischungen) mit Eisen, Kupfer und Silber, weil es diese Metalle geschmeidiger und sehr gut polierbar macht.

So tragen diese beiden Nickel-Eigenschaften dazu bei, daß Schmuck schön aussieht und sich angenehm trägt. Leider haben diese Vorzüge von Nickel auch ihren Preis in Form von Nebenwirkungen.

Denn Nickel kann bei manchen Menschen unerwünschte Begleiterscheinungen hervorrufen. Wenn du eine Unverträglichkeit mit Nickel hast, dann reagiert meistens deine Haut auf Kontakt mit diesem Metall, d.h. du hast es mit einer Kontaktallergie zu tun.

blaue rundperle aus muranoglas mit gruenen eingelassenen streifen handgefertigt von der colorano glas-schmuck-manufaktur

Blaue Rundperle mit hellgrünen, eingelassenen Streifen. Kombiniert mit einem Veloursleder-Band wird daraus ein stilvoller, nickelfreier Anhänger

Warum interessieren sich so viele für nickelfreien Schmuck?

Wegen der oben schon beschriebenen Nebenwirkung: Nickel kann eine Kontaktallergie auf der Haut auslösen. Laut Wikipedia sind etwa 10% der Kinder in Deutschland davon betroffen.

Wann solltest du diesen Beitrag weiterlesen? Wenn Du eine dieser drei Aussagen mit “ja” beantworten kannst:

  1. Du bist zwar selbst nicht allergisch gegen Nickel (sei froh), möchtest Dich aber über das Thema nickelfrei informieren, beispielsweise vor dem Kauf von Schmuck, der mit einem metallenen Anhänger, Ring oder Armreif daher kommt. Damit deine Liebste oder dein Liebster dein Geschenk auch sicher genießen kann.
  2. Du bist gerade auf die Frage gestossen, ob in Modeschmuck Nickel enthalten ist.
  3. Du hast eine Nickelallergie und willst mehr darüber wissen.

Was ich über den Einfluss von Nickel in Schmuck herausgefunden habe, erfährst du anhand von fünf Zitaten, die ich immer wieder gehört habe und die sich, soviel schon vorab, alle als Irrtümer herausgestellt haben.

weisse rundperle aus muranoglas mit regenbogenfarbenen eingelassenen streifen

Einfache Rundperle mit regenbogenfarbenen Streifen. Mit einem Baumwollband wird daraus ein nickelfreier, sommerlicher Halsschmuck.

1. “Wenn ich keinen Modeschmuck trage, habe ich garantiert keine Berührung mit Nickel”

Das stimmt leider nicht!

Denn Nickel ist nicht nur in Modeschmuck sondern auch in vielen metallischen Gegenständen unseres täglichen Lebens enthalten. Beispielsweise in Uhren, Brillengestellen, BH-Trägern, Reißverschlüssen, Jeansknöpfen, Gürtelschnallen, in Essbesteck, Zahnspangen, Münzen und vielem mehr. Da macht Modeschmuck nur ein kleinen Teil der Berührungspunkte aus.

Dennoch gibt es natürlich nickelfreien Modeschmuck. Auch in meiner Glas-Schmuck-Manufaktur findest Du nickelfreie Schmuckstücke. Alle meine Schmuckstücke, die aus Glas bestehen, enthalten überhaupt kein Nickel. Meine metallischen Einzelteile wie Ketten und Ringe halten die Nickel-Grenzwerte nach der EU-REACH-Verordnung ein. Was diese Verordnung bedeutet und was sie regelt, das erfährst du im weiteren Verlauf dieses Blog-Artikels.

Als gänzlich nickelfreie Alternativen für metallhaltige Ketten eignen sich sehr gut Bänder aus Verlours-Leder oder echtem Leder. Besonders Verlours-Bänder bekommt man in vielen verschiedenen Farben. Dadurch kannst du mit der Farbe des Bandes einen schönen Kontrast zu den Farben des Schmuckstücks schaffen.

blaue, tropfenfoermige glasperle mit eingelassenen weissen Punkten

Tropfenförmige Glasperle. In meinem eintägigen Workshop lernst du dieses und die beiden vorherigen Stücke selbst herzustellen.

2. “Nur in günstigeren Metalllegierungen ist Nickel enthalten, in Edelstahl oder Chirurgenstahl nicht”

Das ist leider auch falsch: Edelstahl und auch Chirurgen-Stahl enthalten bis zu 14% Nickel. Nickel sorgt zusammen mit Chrom z.B. dafür, dass der Edelstahl gegenüber Säure und Feuchtigkeit unempfindlicher wird und nicht rostet.

Entscheidend ist allerdings nicht der Gewichtsanteil von Nickel im Stahl, sondern wie viel davon beim Tragen auf der Haut oder im Körper freigesetzt wird. Hier müssen auch Edelstahl und Chirurgenstahl die Grenzwerte einhalten.

tragebeispiel fuer halsschmuck bestehend aus einer tuerkis-gruenen glasschmuck-scheibe an einem schwarzen, gewachsten baumwollband ohne Nickel-Bestandteile

Kunstvoller Halsschmuck gänzlich ohne Metalle: Schwarzes gewachstes Baumwollband mit einer Schmuckscheibe aus Muranoglas (erhältst du in meinem Amazon-Shop).

3. “Silber und Gold sind grundsätzlich nickelfrei”

Selbst mit dieser Aussage kann man danebenliegen. Denn nur wenn tatsächlich ein Gegenstand zu 100% aus Gold oder Silber besteht, ist natürlich nichts anderes drin.

Speziell bei Gold kommt noch ein weiterer Begriff ins Spiel: Die Maßeinheit Karat. Solltest du ein Schmuckstück aus 24 Karat Gold in deinen Händen halten: Glückwunsch! Dann hast du lupenreines Gold, ohne irgendwelche metallische Beimischungen. Denn mit Karat mißt man den Gewichtsanteil von reinem Gold in einem Material: Wenn du beispielsweise einen Ring aus 1 Karat Gold hast, dann besteht dein Exemplar aus genau 4,167% Gold. Denn 1 Karat entspricht einem Gewichtsanteil von einem vierundzwanzigstel (1/24).

Viele Schmuckstücke bestehen aus 12 oder 18 Karat Gold. Folglich bestehen sie zu 50% (12 x 4,167) bzw. zu 75% (18 x 4,167) aus Gold. Und die anderen 50% bzw. 25% sind andere Metalle. Da kann wieder Nickel dabei sein.

Neben der Einheit “Karat” werden Schmuckstücke mit Gold und Silber oft mit dreistelligen Zahlen versehen: Etwa Gold 333 oder Silber 925. Dahinter verbergen sich die Gewichtsanteile von Gold oder Silber bezogen auf 1.000: Demnach besteht Gold 333 zu einem Drittel (333/1000) aus Gold, zu zwei Drittel aus anderen Metallen: Da kann sehr wohl Nickel dabei sein!

So ist z.B. Silber 925, auch unter dem Namen Sterlingsilber bekannt, eine Metalllegierung, die zu 92,5% aus Silber besteht und zu 7,5% aus anderen Metallen. Da kann auch Nickel dabei sein!

In der Vergangenheit setzte man dem Silber Nickel bei, um ihm mehr Stabilität zu geben. Seit aber immer mehr Menschen dadurch gesundheitliche Probleme in Form einer Nickelallergie bekamen, verzichtet man heutzutage häufig auf den Nickelzusatz.

Bei Vermeil Gold, das ist eigentlich Silber 925 mit einem hauchdünnen Goldüberzug, musst du in Bezug auf Nickelfreiheit auch aufpassen: Da es sich hauptsächlich um 925 Sterlingsilber handelt, kann diese Legierung wieder Nickel enthalten.

So verhält es sich auch mit Goldlegierungen wie 585 Gold, was gleichbedeutend ist mit 14 Karat Gold. Gleiches gilt für 875 Gold was nichts anderes als 21 Karat Gold bedeutet. Das heisst, daß es sich hierbei um einen Metall-Mix aus mehr oder weniger Anteilen Gold und anderen Metallen handelt. Da kann wieder Nickel dabei sein.

Du willst aber eigentlich “nur” wissen, wieviel Nickel ein deinem Silberschmuck oder Goldschmuck ist. Stimmt’s? Es gibt zwar Nickel-Teststäbchen. Die zeigen dir eine relative Nickel-Konzentration an. Ob du diese Konzentration nun verträgst oder du darauf allergisch reagierst, können dir diese Nickel-Teststreifen nicht sagen. Da hilft nur anprobieren.

Wenn du jedoch wissen willst, ob dein Schmuckstück Nickel enthält oder nicht, dann bringt dich so ein Nickel-Testkit (habe ich für um die 20€ gesehen) schon weiter: Google einfach danach. Ich mache hier für niemand (außer meinen eigenen Schmuckstücken 😉 ) Werbung:

nickelfreier schmuck bestehend aus einem schwarzen, gewachsten Baumwoll-Band mit fuenf selbstgemachten rundperlen in den farben gruen, blau und rot

Schöner, komplett nickelfreier Schmuck bestehend aus einem gewachsten Baumwollband und selbstgemachten Glasperlen, die einfach herzustellen sind (lernst du in meinem Workshop). Die Luftbläschen im Glas machen jede Perle einzigartig.

4. “Bei einer Kontaktallergie mit Nickel kommt es darauf an, wieviel Gramm Nickel im Schmuckstück enthalten sind”

Das stimmt so leider auch nicht: Es ist nicht entscheidend, wie viel Prozent Nickel in einem Produkt enthalten ist, sondern wie viel Nickel-Ionen (etwas verallgemeinert gesagt: wie viel Nickel-Teilchen) beim Tragen freigesetzt bzw. abgegeben werden. Durch diesen Prozess können Allergien ausgelöst werden. Hohe Temperaturen, Säuren und z.B. Zusätze in Reinigungsmitteln erhöhen die Abgabe dieser Nickel-Ionen. Zusätzlich führt Körperschweiß zu einer erhöhten Freisetzung.

5. “In der EU schreibt eine Verordnung vor, dass Schmuck nickelfrei sein muss”

Du kannst die Antwort darauf sicherlich schon erahnen, wenn Du den Beitrag bis hierher gelesen hast: Das stimmt so nicht! In der EU gibt es zwar eine Verordnung für Nickel in Schmuck, die setzt allerdings einen Grenzwert für die Nickelfreisetzung von Metallen fest, der als unbedenklich angesehen wird. (REACH Verordnung (Verordnung (EG) 1907 / 2006, Anhang XVII, Eintrag 27)).

  • Sämtliche Stäbe, die in durchstochene Körperteile (z.B. Ohren, Bauchnabel) eingeführt werden, dürfen eine wöchentliche Nickelfreisetzung von 0,2 μg pro cm² (in Worten: 0,2 Mikrogramm pro Quadratzentimeter) nicht überschreiten.
  • Schmuck, Verschlüsse, Accessoires, die über längere Zeit Hautkontakt haben, dürfen eine wöchentliche Nickelfreisetzung von 0,5 μg pro cm² und Woche nicht überschreiten.
  • Beschichtungen, die eine Nickelfreisetzung oberhalb dieses Grenzwertes verhindern, müssen eine Haltbarkeit von mindestens zwei Jahren bei normaler Verwendung aufweisen.
  • Erfüllen Erzeugnisse diese Bedingungen nicht, dürfen sie in der EU nicht in den Verkehr gebracht werden.

Bonus Nr. 1: Welchen Schmuck kann ich tragen, wenn ich eine Nickelallergie habe?

Wenn Du allergisch gegen Nickel bist, kannst du alternativ zu metallischen Ketten auf Bänder aus Velours (Kunstleder) oder echtem Leder wechseln. Du erhältst viele meiner Schmuckscheiben aus Muranoglas auch separat ohne Kette. Und colorano Schmuckscheiben enthalten grundsätzlich kein Nickel.

Der Durchmesser des inneren Durchgangs meiner Schmuckscheiben ist mit ca. 6mm so groß, daß sich viele Bänder und Kordeln schnell und einfach durchfädeln lassen. Auch Kautschuk- und Seidenbänder sind für Allergiker eine tolle Alternative zu Ketten aus Metall.

Kollektion von verschiedenfarbigen colorano Schmuck-Scheiben aus Muranoglas - natürlich nickelfrei

Farbenfrohe Schmuckscheiben aus Muranoglas für wundervollen Halsschmuck. Edle Stücke in weiteren Farben findest du in meinem Amazon-Shop.

Bist Du von einer Nickelallergie verschont?

Dann solltest Du mit Schmuck, der die Grenzwerte der erwähnten EU-Verordnung einhält, gut zurechtkommen. Alle Schmuckstücke, die in der EU verkauft werden, müssen nach dieser Verordnung gefertigt sein bzw. importierte Stücke müssen diese Grenzwerte einhalten.

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Weitere Anregungen und Tipps rund um meinen Glas-Schmuck findest Du in meiner Blog-Übersicht

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